Daten-Spionage am Kopierer – Speicher bzw. Festplatte auslesen

Ich muss dem Finanzamt noch diese Woche Kopien von einigen wichtigen Firmendokumenten vorlegen und dummerweise streikt heute der hausinterne Kopierer. Die Konsequenz ist, dass ich schnell in den Copy-Shop um die Ecke laufe und einige Dokumente für die anderen Abteilungen gleich viermal kopiere. Dank der Zwischenspeicherfunktion des Kopierers geht der eingebaute Scanner nur einmal über das Dokument und gibt vier Exemplare aus, was den ganzen Prozess erheblich beschleunigt.

Nur was passiert mit den Informationen im Zwischenspeicher des Kopierers?

Für den Besitzer eines Kopierers ist es nicht sehr schwer die Daten im Zwischenspeicher auszulesen und auszuwerten. Steuererklärungen, Kontoauszüge, Ausweise oder Rentenversicherungsnachweise sind nur einige Dokumente, die oft kopiert werden und für unbekannte Dritte eigentlich nicht bestimmt sind. Wirtschaftsspionage, Mitarbeiterkontrolle und das Ausspionieren von persönlichen Daten werden durch das leichtsinnige Kopieren und den falscher Umgang mit dem Zugang zu den Speichermedien erleichtert. Die Profigeräten, die man in Copy-Shops oder Firmen findet, arbeiten inzwischen alle mit großen Festplatten oder Flash-Speichermedien. 80 Gigabyte Festplatten sind keine Seltenheit mehr und bieten viel Platz für Informationen.

Zwischenspeicher
Kopierer mit Zwischenspeicher erkennt man schnell daran, dass der Scanner nur einmal über das Dokument geht und mehrere Kopien ausgibt. Ich versuche mal ganz rudimentär zwei Methoden zu erläutern, wie der Zwischenspeicher (Festplatte) des Kopierers arbeitet. Im ersten Fall werden die Daten auf der Festplatte erst gelöscht, wenn die Festplatte voll ist. Bei einer 80 Gigabyte Festplatte sollte das eine oder andere ältere Dokument noch zu finden sein. Bei der zweiten Methode werden die Daten zwar als gelöscht markiert, sind aber rein physikalisch nicht überschrieben und liegen noch vollständig auf dem Speichermedium. Mit Hilfe spezieller Software lassen sich die Daten ganz leicht rekonstruieren.

Vorsichtsmaßnahmen
Gerätehersteller haben inzwischen die Problematik erkannt und bieten neben ihren Kopierern auch zusätzlich kostenpflichtige Sicherheitssoftware an. Die Sicherheitssoftware löscht nicht nur die vorhandenen Daten und überschreibt sie mehrmals, sondern sie verschlüsselt die Informationen beim Speichern. Wie so oft wird bei der Anschaffung eines Gerätes am falschen Ende gespart und der Datenschutz absichtlich ignoriert. Der Zugang zum Kopierer (direkt oder Netzwerk) sollte mit einem Passwort geschützt sein. Festplatten eines Kopierers sollte vor dem Verkauf gelöscht oder vor der Entsorgung sogar zerstört werden.

Sehr vorsichtig sollte man auch bei Miet- oder Leasingkopierern sein. Immer vorher informieren, ob die Daten im Gerät gelöscht werden bevor sie den nächsten Kunden erreichen. Auch seriöse Reparaturdienste sollte vor dem Einschicken gründlich ausgewählt werden.

Daten-Spionage
Ich möchte keine Panik auslösen, sondern einfach nur euer Bewusstsein ein wenig schärfen. Daher am Schluss noch drei Beispiel-Szenarien:

1. Eine Anwaltskanzlei beschließt sich einen neuen und schnelleren Kopierer anzulegen. Um die Kosten zu decken soll der alte funktionstüchtige Kopierer verkauft werden. 7 Tage später wurde ein Käufer gefunden und der Erlöse ist auch sehr zufrieden stellend. Wurde die interne Festplatte des Kopierers gelöscht? Hat der Käufer vielleicht nur Interesse an den Daten auf der Festplatte?

2. Ich bin mit meinem Arbeitgeber und der Zielsetzung der Firma nicht mehr zufrieden. Daher habe ich mich entschlossen einen neuen Job zu suchen. Die alte Bewerbung habe ich schnell aufpoliert und in der Mittagspause am Firmenkopierer 10mal kopiert. Hat mein Vorgesetzter das Wissen meine kopierten Daten wieder hervorzurufen, nachdem er mich schleichend aus dem Kopierraum rausgehen gesehen hat?

3. Das Bürgeramt möchte eine Kopie meines Personalausweises zugeschickt bekommen. Ich lege meinen Perso auf den Scanner und mache die erste Kopie. Leider lag der Ausweis schief auf dem Scanner und erstelle flink eine neue ordentliche Kopie. Die erste Kopie fliegt natürlich sehr umweltbewusst in den Papiereimer neben dem Kopierer. Es wird bestimmt niemand gerade in diesem Papierkorb nach etwas suchen, oder?

Hat eure Faxgerät oder euer Drucker eigentlich auch einen Zwischenspeicher? 😉

2 Gedanken zu „Daten-Spionage am Kopierer – Speicher bzw. Festplatte auslesen

  • 1. Dezember 2007 um 13:15
    Permalink

    Liebes Spam-Info Team,
    danke für die Aufklärung. Zum Glück ist unsere Fotokopierer im Büro zu alt.

    Lieben Gruß
    Kristina

    Antwort
  • 26. Mai 2009 um 07:50
    Permalink

    Hallo liebes Spam-Info-Team

    Genau dass ist mir vergangene Woche, (nur) beim kopieren meiner Bewerbungsunterlagen passiert. Ich bekam gestern, per Post einen Brief in dem mir Werbung des Copy-shop Mitarbeiters zugesandt , der sich wie er schreibt ein zweites berufliches Standbein mit dem Verkauf von Kosmetikartikeln aufbauen möchte..Ziemlich persönlich das ganze. Ich habe wichtige Bewerbungsunterlagen kopiert, unter anderem von meinem Dienst in der Justiz. Ich weiß nich was er nun noch alles mit meinen Daten macht… Ich hoffe nicht, dass ch jetzt mit Werbung zugeschmissen werde oder so.
    Aber im Grunde ist so was eine große „Sch..“ Wo soll man sonst Kopien anfertigen lassen??

    Liebe Grüße
    Katharina

    Antwort

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