Mehr als ein Ärgernis: Spam wird zum Sicherheitsrisiko für Unternehmen
241 Millionen – so viele E-Mails werden minütlich weltweit verschickt. Mehr als 45 Prozent davon waren im Jahr 2023 Spam-Nachrichten. Viele sind harmlos, einige lästig. Doch gleichzeitig gibt es Spam-Mails, die insbesondere für Unternehmen zu einer echten Gefahr werden können. Denn sie können, werden sie falsch gehandhabt, sowohl wirtschaftliche als auch rechtliche Schäden nach sich ziehen.
Spam als Einfallstor für komplexe Cyberangriffe
Hinter dem Begriff Spam verbirgt sich zunächst nicht mehr als eine unerwünschte, meist massenhaft verschickte Mitteilung.
Bereits im Jahr 2014 landeten laut der Deutschen Handwerks Zeitung im Schnitt neun Spam-Mails im virtuellen Postfach einer Privatperson. Zehn Jahre später nahm die Spam-Flut an Fahrt auf. Von durchschnittlich 40 E-Mails, die in einem Postfach landeten, war etwa die Hälfte unerwünschte Werbung.
Zwar kostet jede E-Mail zumindest ein kleines Maß an Aufmerksamkeit, die somit im Büroalltag von anderen Aufgaben abgelenkt wird. Jedoch sind klassische Spam-Nachrichten für die meisten Unternehmen mehr störend als gefährlich.

Anders kann es jedoch aussehen, wenn es sich bei einer Spam-E-Mail um eine gezielte Cyberattacke handelt. Dann kann der Spam schnell zum Scam werden.
Beim sogenannten Scamming handelt es sich um einen Vorschussbetrug, bei dem Unternehmen etwa eine gefälschte Ausschreibung geschickt bekommen, wie beispielsweise die Fake-Ausschreibung der Emirates Group.
Die Betrüger missbrauchen dabei die Identität seriöser Firmen. Unter deren Namen sowie einer gefälschten E-Mail-Adresse bieten sie deren potenziellen Geschäftspartnern eine kostenpflichtige Leistung an. Dabei sind die Nachrichten meist so professionell gestaltet, dass der Betrug weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick auffällt.
Wer jedoch darauf hereinfällt und Geld im Voraus für die versprochene Leistung überweist, erhält weder die Dienstleistung noch die Zahlung zurück.
Malware-Infektionen durch Spam-Nachrichten
Nicht nur gefälschte Ausschreibungen können im Postfach eines Unternehmens landen. Immer häufiger werden Firmen auch mit Spam-Nachrichten geflutet, die eine Schadsoftware enthalten. Bereits ein unachtsamer Klick kann in diesem Fall genügen, um Trojaner, Viren oder sogenannte Ransomware in das Firmennetzwerk zu schleusen.
Insbesondere Ransomware-Attacken gelten dabei inzwischen als eines der größten Geschäftsrisiken für Unternehmen. Mehr als 1.000 Angriffe dieser Art wurden laut dem Bundesinnenministerium im Jahr 2025 angezeigt. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Zunahme von rund zehn Prozent.
Bei einem Ransomware-Angriff können sich Cyberkriminelle etwa über einen Link in einer Spam-Nachricht Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk verschaffen. Hier stehlen oder verschlüsseln sie Daten, um Lösegeld zu erpressen. Häufig in Form von Bitcoin.
Wird der Forderung nicht entsprochen, drohen die Täter oft damit, Kunden- oder Geschäftsdaten zu veröffentlichen.
Ob Viren, Trojaner oder Ransomware – Malware-Infektionen im Firmennetzwerk deuten nicht (nur) auf ein IT-Problem hin. Vielmehr zeigt eine erfolgreiche Malware-Attacke über eine Spam-Nachricht die fehlende Sensibilisierung der Mitarbeitenden zum Thema Cybersecurity auf.
Phishing-Angriffe führen oft zu Datendiebstahl
Dass der Klick auf einen Link in einer Spam-E-Mail gefährlich sein kann, weiß inzwischen die Mehrheit der Deutschen. Daher arbeiten Cyberkriminelle mit neuen Betrugsmaschen. Eine davon sind Phishing-Spam-Nachrichten.
Diese landen zwar im Spam-Ordner, imitieren jedoch reguläre Geschäftsnachrichten von Geschäftspartnern, Banken oder Behörden. Bei den CEO-Fraud- oder Business-E-Mail-Compromise-Angriffen scheinen die Nachrichten gar von den Führungskräften im eigenen Unternehmen zu stammen.
Mit den täuschend echt gestalteten E-Mails können Betrüger meist selbst erfahrene Beschäftigte hinters Licht führen. Ihr Ziel: an Passwörter, Zugangsdaten oder andere vertrauliche Informationen zu gelangen.
Diese wiederum können genutzt werden, um sich ins Firmennetzwerk einzuschleusen und dort einen Datendiebstahl zu begehen.
Wie können sich Unternehmen vor Spam-Scams schützen?
Ein Spam-Betrug lässt sich umso schwieriger entdecken, wenn täglich eine Menge Spam-Nachrichten zwischen den regulären E-Mails landet.
Der erste Schritt, um das Risiko eines Cyberbetrugs einzudämmen, besteht daher darin, einen Spam-Ordner im E-Mail-Postfach des Unternehmens einzurichten. Darin sollte rigoros jede unerwünschte und vermeintlich gefährliche Mitteilung landen.
Ebenso ist es entscheidend, die Mitarbeitenden über das Risiko von Spam-Nachrichten zu informieren. Regelmäßige Hinweise sowie Weiterbildungen zum Thema können ihnen nicht nur dabei helfen, Spam-Nachrichten auf den ersten Blick zu erkennen. Ebenso sollten Schulungen darauf ausgelegt sein, den Umgang mit Spam-Nachrichten bewusster und sensibilisierter zu gestalten.
Dadurch sinkt die Gefahr, dass Mitarbeiter unbedacht auf einen Link in einer Spam-E-Mail klicken oder zum Opfer eines Phishing-Angriffs werden.

